Blick in den Spiegel

07/05/2016
Diese Sätze unten basieren auf einem Kommentar bei Facebook über die Rolle von Schule, Eltern und Erziehung heute verglichen mit damals, als ich selber die Schule besuchte. Ein Blick in den Spiegel, 40 Jahre zurück.

Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, in den freien 70er Jahren, sehe ich keine Tendenz, den Eltern die Erziehung abzunehmen. Wir hatten Lehrer, die die Eltern ansprachen, wenn was schief zu gehen drohte, aber sie hatten niemals den Anspruch, die Kinder in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wir haben heiss diskutiert (Stichworte Radikalenerlass, RAF, Schleyer, Landshut, AKWs, Neutronenbombe, Wehrdienstverweigerung), wir hatten auch Lehrer die sagten “Man muss sich fragen, ob nicht die Sympathisanten auch im Parlament sitzen” (1978, Diskussion über das Kontaktsperregesetz im Politikunterrricht). Aber keinem meiner Lehrer oder -rinnen wäre eingefallen, uns für eine bestimmte Ideologie einzuspannen. Am wenigsten die Konservativen. Diese Generation, damals zwischen 40 und 50 Jahre alt, vertrat Werte, zeitlos, aber leider heute vermutlich mindestens als rechts verschrieen.

Wir waren alle links

Wir Gymnasiasten waren natürlich alle links (bis auf meinen besten Freund, der war konservativ, heute denken wir sehr ähnlich), aber niemand wurde angehalten, die Meinung des anderen niederzumachen oder ihn sogar irgendwo zu denunzieren (pdf). Recht haben als Selbstzweck war noch nicht erfunden. Argumente zählten, ideologiefreie Belege. Fakten statt Glauben.

Zurückblickend war es eine sehr kreative, freie und konstruktive Zeit ohne diese einflussreichen Extreme, die es heute gibt. Es gab keine Berufsempörten, keine Diskriminierten und keine Rechthaber um jeden Preis.
Mir tun manchmal die Kinder und Jugendlichen heutzutage leid, dass sie in einer völlig anderen Umgebung lernen und ausgebildet werden.