Die Erlösung heisst DE-Google

06/18/2013
Kaum wird bekannt, dass die Welt von den USA unter einen Generalverdacht namens PRISM gestellt wurde, was den Terror betrifft, kommen deutsche Internetversteher mit ihren Ideen um die Ecke, dem großen Bruder jenseits des Teiches eine lange Nase zu ziehen.

Ich sage nur deutsches Google und beschränke mich sicherheitshalber darauf, denn ein deutsches Facebook oder Twitter möchten sich nun noch weniger Menschen, die verstehen, worüber sie reden, vorstellen. Einer der Vorreiter und damit ein echter deutscher Don Quijote im Kampf gegen Internetmühlen war dann u.a. der CSU Innenpolitiker Hans Peter Uhl, der sich den Aufbau einer Alternative zu den US Konzernen wünscht. Kosten spielen keine Rolle, Hauptsache, die bösen Amis, Russen und Chinesen bleiben draussen. So weit so irreal, denn aus demselben vorgeblich christlichen Stall kommen quasi zeitgleich ganz andere Töne: unser Innenminister Friedrich verteidigt die amerikanische Datenschnüffelei und verbirgt nicht seine Sympathien dafür. Schließlich verteidigen diese Systeme unsere Freiheit gegen den Terrorismus. Frau Merkel sieht das ähnlich und damit wird das ganze vollkommen durchsichtig, absurd und unglaubwürdig. Die Frage, ob diese gerne zitierte Freiheit im Rahmen ihrer Verteidigung nicht schon längst von uns gegangen ist, stellen sich aufrechte Sicherheitspolitiker vermutlich nicht.
Aber diese Diskussion ist eine andere.

Die Idee …

Was bleibt ist die Idee, mal so eben, am liebsten national, ein Google aus dem Boden zu stampfen. Eine Idee von Leuten, die Internet mit Porno, unbeschränkten Urheberrechtsverletzung oder mal eben ganz allgemein als rechtsfreien Raum gleichsetzen, den es dringend zu regulieren gilt. Da kann ich mir gut vorstellen, wie im Wirtschaftsministerium, alternativ auch im Innenministerium, da ist man näher an der Kontrolle, eine Arbeitsgruppe gegründet wird, die einschlägigen Lobbyverbände und natürlich die Drosselkom als “Experten” zu Vor- und Bedenkenträgen geladen werden und danach ein Minister seine drei Kreuze unter eine Ausschreibung setzt, in der Angebote zur Realisierung eingefordert werden. Natürlich von den üblichen Verdächtigen, sicher mit der Drosselkom ganz weit vorne dabei.

… ist einfach nur lächerlich

Anders ausgedrückt, vergessen wir es. Die Rahmenbedingungen für netzrelevante Innovationen in Deutschland sind einfach viel zu schlecht, da nützt auch kein IT-Gipfel mit hochmögenden Politikern und ihrem Hofstaat aus den eifersüchtigen verschiedenen Interessenverbänden der IT-Wirtschaft nichts. Deutschland ist politisch eine Nation der Internetausdrucker, hat den digitalen Anschluss erfolgreich verpasst und ist daher weder wirklich willens, noch in der Lage, so etwas wie Google auf die Beine zu stellen. Und schon gar nicht, wenn die Politik das anleiert und mit ein paar Milliönchen, selbstverständlich über etliche Jahre verteilt Anreize schaffen will. Anreize höchstens für eine Versammlung unfähiger Protagonisten, die die Kohle einsacken und nach ein paar Jahren über unverhältnismäßige Kostensteigerung jammern. Das können wir gut, siehe Toll Collect, BER, S21, die Elbphilharmonie oder die Kölner U-Bahn.

VWBus_kleinEine sehr beeindruckende Liste und die enthält nicht einmal netzbezogene Einträge.

Aber bei der Vorstellung, ein Staatssekretät aus dem Wirtschafts- oder Innenministerium beaufsichtigt die Entwicklung “unseres” Google, wird mir trotzdem übel …

Eine robuste Meinung dazu gibt es auch hier.