Die Welt dreht durch

04/11/2014
Hört sich ziemlich reisserisch an, ich weiss. War auch so gedacht. Jetzt fehlen dazu nur noch ein paar Beispiele, obwohl ich mir vorstellen kann, der geneigte Leser kommt selber drauf…

Also da wären die nach wie unverändert schwelende Krise in und um die Ukraine, die aus dem Westen aktuell mit Satellitenfotos von russischen Gerätschaften (ich sehe wieder Colin Powell vor mir, wie er 2003 der UNO das irakische Giftgas präsentiert) und erweiterten Sanktionen angefacht wird, der Stillstand im NSA (A, nicht U)-Untersuchungsausschuss, der nicht in Bewegung kommt, weil man sich nicht über die Teilnahme eines Herrn S., derzeit vermutlich Moskau, einigen kann, dann der sich immer weiter entwickelnde Streit zwischen Linkspartei und Grünen um Gott und die Welt und das Freihandelsabkommen zwischen EU und USA (aka TTIP). Alles getoppt von Flug MH 370, der nach wie vor unauffindbar ist. Hinzu kommt, in den Redaktionen, die sich für besonders aufgeklärt und revolutionär halten, herrscht Schnappatmung: Akif Pirincci, hat dem politsch korrekten deutschen Mainstream-Feuilleton mit seinem jüngsten Buch mal eben eine Handgranate unter den Schreibtisch geworfen. Und man kann ihm, da Türke, nichtmal den üblichen Rassismus vorwerfen…
Und natürlich, gefühlt jedem Medium des deutschsprachigen Universums etliche Meldungen wert: Wetten dass wird beendet! Damit werden dann vermutlich viele Journalisten mit in den Abgrund gerissen, die in den letzten Jahren hauptsächlich davon lebten, die Sendung und ihren Moderator zu verreißen. So müssen sie sich ab Dezember halt Arbeit suchen.
Der ausschließlich lesbische Friedhof in – natürlich – Berlin oder die Tasse mit der Hitler-Briefmarke aus dem westfälischen Möbelhaus fallen dagegen etwas ab.
Wenn ich was vergessen hab, z.B. weitere Vorfälle mit ausreichend Empörungspotential, geschenkt!

Gibt es denn keine guten Nachrichten? Doch, für mich auf jeden Fall. Ich habe mir das neue Werk von Dieter Meier bestellt und freue mich darauf! Natürlich Vinyl.

Ausserdem sitzt man hier sehr schön im Schatten von ein paar alten Bäumen und schaut auf eine kleines Kirchlein in einem Fischerdorf am Rhein, das mittlerweile zu Köln gehört. Die erste Inkarnation dieser Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut und hat seither jede Menge Geschichte vorbeiziehen sehen. Dagegen sind die aktuellen Wellen der Entrüstung, die uns wichtig erscheinen, jedenfalls einigen von uns, lächerlich. Wohlstands”probleme” in einer saturierten, abgesicherten Gesellschaft, die sich in erster Linie eifersüchtig mit sich selber beschäftigt und ihre Mitglieder aller möglichen Verfehlungen zeiht.

StKatharinaNiehl