Freiheit

03/17/2015
Je länger ich darüber nachdenke, die 70er waren das freieste und kreativste Jahrzehnt, dass es nach dem Krieg in Deutschland gab!

Wir waren offen, habe ausprobiert, haben Erfahrungen gemacht ohne Angst, der politischen Inkorrektheit geziehen zu werden und einen Shitstorm sogen. “Aktivisten” auszulösen. Es gab Männer und Frauen, die Männer und Frauen sein wollten. Wir hatten Ekel Alfred, der so überzogen vorurteilsbehaftet tönte und den “Sozis” eine nach der anderen verpasste, dass die ganze Republik darüber lachte. Wir hatten heftig rauchende (Haverkamp) und eine Frau nach der anderen flachlegende (Kressin) Tatort-Kommissare und eine Sprache, die von Negern, Zigeunern und wasweissich-Begriffen wimmelte, ohne dass es zur medialen Dauererregung kam.

Wir haben coole Musik gehört – gerne nach dem Motto. sag’ was du willst, aber sag es über eine ganze Plattenseite – und dabei auch mal lustige Dinge geraucht.
Die Ostpolitk Brandts, der Anschlag von München, die Proteste gegen AKWs und die “Baader-Meinhof-Bande” haben viele von uns politisch sozialisiert. In den Schulen wurde darüber kontrovers diskutiert, trotzdem haben wir etwas über das Leben und die Politik gelernt, weil nicht automatisch jede Meldung aus einer Wertung bestand und damit gesteuert werden sollte, wie man zu denken hat.

Ich könnte noch jede Menge anderer Dinge aufzählen, die gut waren in diesem Jahrzehnt der großen Freiheit, aber jeder, der diese Zeit mehr oder weniger bewusst erlebt hat, weiss, was ich meine.
Das Wichtigste, trotzdem das Land ganz anders war, wirklich offen und aufgeschlossen, nicht unter permanenter Selbstbeschränkung und dauernd bemüht, niemanden zu “diskriminieren”, haben seine Bürger keine Soldaten in einen Krieg in andere Länder geschickt. Und sie haben auch nicht gejubelt, wenn eine Presse hartes Vorgehen gegen einen angeblichen Partner in einer angeblichen Union fordert und hetzt.

Schade, dass diese Zeit vorüber ist!