Ich bin gläubig

04/02/2013
Ich gebe zu, ich bin gläubig. Allerdings geht es hier nicht um Religion, sondern um einen anderen Teil des Lebens. Dabei spielt die gema eine hauptrolle.

Wenn man die Entwicklung in der Urheberrechtsdiskussion der letzten Jahre auch nur ein wenig verfolgt hat, fällt es tatsächlich schwer, diese Geschichte nicht zu glauben. 

Bekanntlich ist das organisierte Abmahnwesen eins der wenigen tatsächlich erfolgreichen deutschen Geschäftsmodelle im Internet geworden, allein die Befürchtung einer möglichen Abmahnung öffnet so mache Schere im Kopf. Das hängt u.a. mit dem nicht vorhandenen politischen Willen zu Eindämmung dieser die Wirtschaft schädigenden Flut von Abmahnungen und dem fehlenden Äquivalent zum in den USA üblichen “fair use”-Prinzip zusammen.
Auch wenn sich der geschilderte Fall als Aprilscherz erwies, bekannt ist, das die GEMA, die angeblich die Rechte der Urheber musikalischer Werke vertritt, gerne mal abmahnt, wenn in Kindergärten gesungen wird oder jemand ein Flimchen auf youtube hochlädt, in dem im Hintergrund Musik läuft. Da es allerdings keine klare Rechtslage gibt, führt schon die Vermutung, dass die GEMA auf Rechten sitzt zu einer Sperrung von Videos auf youtube. Aktuelles Beispiel sind Videos vom Meteoritenschauer in Russland, die dort mit Dashcams in Autos aufgenommen wurden und auf denen Musik aus dem Autoradio zu hören war. Überall auf der Welt konnte man das sehen, hier in Deutschland nicht. Die GEMA, in gewohnter Manier Unschuld heischend, ließ verlauten, sie habe nichts gesperrt,  könne sie gar nicht, aber sie unterschlägt natürlich, dass genau ihre Unnachgiebigkeit und ihre Vergütungsforderungen, anscheinend einmalig auf der Welt, für diese Unsicherheit verantwortlich ist. Daher kann ich verstehen, wenn youtube lieber vorher sperrt als nachher abgemahnt zu werden.

Mehr als 60% der weltweiten Top 1000 Videos in Deutschland gesperrt

Welche Ausmaße die Sperrungen von Videos im deutschen Internet mittlerweile angenommen haben kann man hier sehr schön sehen und sich dabei gruseln. Die interaktive Grafik zeigt, Deutschland ist in Bezug auf Sperrungen von Videos weltweit führend. Selbst Staaten wie der als extrem “fortschrittlich” bekannte Südsudan oder auch der Vatikan lassen wir locker hinter uns. Spätestens hier sollten alle roten Lampen angehen und die Frage an die GEMA gestellt werden, ob dieses Beharren auf unmöglichen Summen pro Klick nicht bereits die Informationsfreiheit im Netz gefährdet. Oder anders ausgedrückt, ob dadurch eine Zensur durch die Hintertür des angeblichen Urheberschutzes eingeführt wird. Die GEMA entblödet sich auch nicht, die von youtube anstelle der gesperrten Videos gezeigten Hinweisbilder auch abzumahnen. Sperre Als ob dadurch eine positive Imagepflege möglich wäre. Allerdings waren die GEMA Anwälte nicht ganz so clever, sondern blamierten sich medienträchtig, weil sie ihre Schadenersatzklage an die deutsche Google-Niederlassung adressierten und nicht wussten, dass youtube tatsächlich eine eigenständige Firma mit Sitz in Kalifornien ist. Das sorgte durchaus für Erheiterung im Netz. Ein Gerichtsstand in den USA hat immer eine gewisse Unwägbarkeit inne, wir werden sehen, ob sich kalifornischen Richter von deutscher Gutsherrenart beeindrucken lassen.

Der Glaube bleibt

Zurück zum Glauben. Die erwähnten Punkte, Abmahnungen, Sperrungen und Strukturen machen es leicht, den obigen Aprilscherz für bare Münze zu nehmen. Verstärkt wird er Eindruck durch die persönliche Bekanntschaft mit dem Urheber dieses Scherzes. Gestern bin ich darauf reingefallen, aber das danach aufgetretene Grinsen kann uns schneller im Halse stecken bleiben, als uns lieb ist….