Springer macht alles richtig

07/28/2013
Das Gejammer ist groß, der endgültige Untergang des Abendlandes eingeläutet. Nein, Tatort wird nicht eingestellt, sondern der Springer Verlag mistet aus und das konsequent und erbarmungslos.

Mathias Döpfner trennt sich von alten, liebgewordenen Publikationen wie dem Hamburger Abendblatt, Hörzu oder Bild der Frau und etliche deutsche Vertreter der veröffentlichten Meinung drehen schier durch. Ein Gemeinschaftsartikel bei SPON faselt in geradezu selbstentlarvender ewiggestriger Ideologiehörigkeit vom Verrat an “der Vision” des Firmengründers Axel Springer. Als wenn bei SPON irgendwer zugeben würde, eine der erwähnten Springer Erzeugnisse auch nur aus der Ferne anzusehen. Aber jetzt ist gleich der Journalismus als solcher in Gefahr, der anscheinend nur im Print zuhause ist. Soviel Borniertheit und Sendungsbewusstsein ist schon beachtlich, denn gerade bei SPON sehe zwar ich die wöchentlichen Nazi-Geschichte zur korrekten Volkserziehung und das üblichen Bedenkentragen gegen Gott und die Welt, aber wenig “echten” Journalismus.
Vermutlich hätte der herbeizitierte Axel Cäsar Springer seinen Laden schon viel früher auf Zukunft getrimmt, als es sein operativer NachfolgerDöpfner jetzt macht.

Um es mal mit Helmut Schmidt, einem weiteren großen Hamburger zu sagen, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen und wenn der Gründer des Verlags nur Visionen gehabt hätte, gäbe es seinen Verlag schon lange nicht mehr. Er hatte zusätzlich die Kraft und die Mittel, alles durchzusetzen. So gesehen hat Axel Springer seinerzeit alles richtig gemacht und sein Nachfolger macht es heute. Auch wenn einige andere Schreiber und konsequenter Verweigerung der vernetzten Realität das nicht sehen wollen. Die Zukunft liegt nun mal online, ob das in 50 Jahren anders aussieht, sehen wir dann.
Ein klein wenig Ironie liegt darin, dass gerade Springer vor kurzem so massiv für das sogen. Leistungsschutzrecht lobbyiert hat, federführend in Formulierung und Druck auf die Politik. Damit versuchte, ein altes Geschäftsmodell in eine neue Welt zu retten. Und jetzt stößt der Verlag etliche seiner Publikationen an ein Konkurrenzunternehmen ab und zeigt, dass dieses angeblich so wichtige Gesetz, kaum noch eine Rolle spielt, denn die Zukunft ist online. Das nenne ich mal Mut zur Umsetzung.

Egal, ob mensch den Springer Verlag mag oder nicht, was gerade passiert ist ein richtiger Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit. Diejenigen, die jetzt aufschreien haben nicht begriffen, wo die Reise hingeht und klammern sich an Kutschen, von denen sie den überholenden Autos huldvoll zuwinken.

Hier noch ein sehr lesenswerter Beitrag zu dem Thema mit zusätzlichen Informationen von Matthias Schwenk.