St. Martin rides again – eine Polemik wider linke Integrationsverhinderer

11/07/2013
In Anspielung auf eine krachende Rockplatte der band James Gang aus den frühen Siebzigern der Titel dieses Beitrags. Der Sprecher der Linkspartei in NRW, rüdiger sagel, hat sich in dieser Woche in’s Gespräch gebracht und dabei lächerlich gemacht. Und zwar richtig.

Dabei meinte es Herr Sagel durchaus gut. Jedenfalls aus seiner Sicht. Allerdings ist diese nicht die der Mehrheit in diesem Land. Was er wollte ist kurz und knapp zusammengefasst folgendes:
Aus Rücksicht auf Kinder anderer Religionen wollte er, ganz Linkspopulist, St. Martin samt (Rest-)Mantel entsorgen und statt eines Martinszugs ein ”Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” feiern lassen, denn niemand solle diskriminiert werden in dem ihm christliche Traditionen aufgenötigt werden. Aufgebracht wurde dieser Ansatz z.B. in der Rheinischen Post.
Dass die Idee nicht überall gut ankam, wundert anscheinend nur ihn selber, aber der Reihe nach…

Christliches Abendland

Ich fange also ganz weit vorne an. Egal wie man heute zum Christentum steht, ob man sich als Christ bezeichnet oder nicht, ob man einer christlichen Religion angehört oder nicht, dieses Land und auch der größte Teil des Kontinents Europa ist christlich geprägt. Man muss schon die Augen ganz fest geschlossen haben, um das zu leugnen. Natürlich gibt es Ideologen, die fühlen sich ausschliesslich der Aufklärung verpflichtet und streiten jeglichen Einfluss des Christentums auf genau diese ab. Dazu drei Hinweise: der erste, man nehme ein Geschichtsbuch zur europäischen Geschichte der Neuzeit (also grob ab Luther) in die Hand und lese, was hier passierte, der zweite, man stelle sich die Frage nach den theoretischen Grundlagen dieser Aufklärung und warum sie gerade hier, in Europa, stattfand und nicht z.B. in Arabien oder im Einflussbereich der großen asiatischen Religionen und schliesslich der dritte, man beschäftige sich mit der Entstehung des Grundgesetzes, denn dessen Väter und Mütter stellten niemals auch nur ansatzweise den christlichen Hintergrund von Grund- und Menschenrechten infrage.
Ich persönlich sehe das vollkommen neutral, es ist weder gut noch schlecht, es ist schlicht die Basis unserer Kultur. Auch wenn sich verschiedene Menschen an der Widerlegung dieser Tatsache abarbeiten und daraus einen Sinn ziehen, ich nehme das hin und frage mich, warum der geschichtliche Hintergrund unseres Kontinents unbedingt verleugnet werden soll. Wer hat etwas davon? Niemand wird durch Christentum oder christliche Religionen eingeschränkt, niemand hat Nachteile, wenn er aus der Kirche austritt, was uns z.B. deutlich vom Islam unterscheidet. Dies wiederum wird allerdings gerne ignoriert, wenn es um Christenbashing geht. Und das ist derzeit in bestimmten linken Kreisen en vogue.

Sonne, Mond und Stern

Die als Alternative zum christlichen St. Martin vorgeschlagenen Sonne-Mond-und-Sterne Umzüge bedeuten alles und gar nichts, beziehen sich aber interessanterweise auf sehr viel ältere religiöse Symbole als das Christentum. Frühe Naturreligionen beteten die Sonne an und der Mond wurde mit der Ernte in Verbindung gebracht. Man könnte das also als klassisches Eigentor des Herrn Sagel sehen, aber es gab einen sehr zweifelhaften Versuch von Mario Sixtus in einem Dialog mit mir auf Twitter, hier einen Bezug zur Astronomie hinein zu interpretieren. Ich schätze Sixtus als gebildeten und bissigen Kommentator, den ich gerne lese, aber hier liegt er meiner Ansicht nach vollkommen daneben. Astronomie ist so ziemlich das letzte, was Kinder an einem Martinszug interessiert. Zumindest im Rheinland ist auch die Martinsgeschichte für sie nicht wirklich interessant. Dagegen natürlich die Laterne samt dem großen Feuer und hinterher singen an den Haustüren mit dem Ziel einer wohlgefüllten Tüte einschließlich Weckmann.

Unverständnis und klare Ansagen

Das Anliegen des Herrn Sagel kam also nicht wie erhofft an im Land, ausser bei der üblichen Klientel, die grundsätzlich ein Problem mit Kirche und Christentum hat, fand er keine Zustimmung und selbst diejenigen, zu deren Ehrenrettung er sich aufschwang, gingen eindeutig auf Distanz zu seinen Forderungen. Schön zusammengefasst hat der Kölner Stadt-Anzeiger die Reaktionen. Islamverbände betonten, sie hätten kein Problem mit St. Martin, teilen sei eine wesentliche Grundlage ihrer Religion und selbst seine eigene Partei distanzierte sich von der Idee. Sagel steht weitgehend allein, abgesehen von der bereits erwähnten Fraktion der Religionsbasher, die alles verurteilen, was das Christentum ausmacht.

Sagel wäre allerdings kein “guter” Politiker, wenn er daraufhin nicht versuchte, jetzt unter Einsatz des obligatorischen Vorwurfs, falsch interpretiert worden zu sein, zurückzurudern. In schlechter Tradition ertappter Politiker spielt er den Ball zurück an diejenigen, die seine Aussagen weiter verbreitet haben. Keine Spur von Selbstkritik, wer so davon überzeugt ist, immer recht zu haben, macht keine Fehler, sondern die anderen sind wie üblich zu blöd, richtig zu verstehen, was die göttliche Stimme verbreitet. Das kennen wir von vielen Politikern aus allen Parteien und aus allen Zeiten in dieser Republik.

Was noch dahinter steckt

Hinter seiner Forderung nach Abschaffung des christlich tradierten St. Martins Umzug steckt aber noch viel mehr.

1. Vorauseilender Gehorsam

Sagel zeigt ein typisch deutsches Verhalten, in dem er ohne weiteres das eigene Volk mit seinen Traditionen zugunsten anderer Menschen zurück stellt. Und das auch noch ohne konkreten Hintergrund. Schon die Vorstellung, dass Deutsche in Deutschland ihre Interessen vertreten könnten (hier auch ohne jemandem zu schaden), scheint ihm zuwider. Durch seinen vorauseilenden Gehorsam stellt er aber zusätzlich alle vermeintlich Diskriminierten zunächst über Christen und ihre Traditionen, dann nimmt er für sich in Anspruch, ohne Anhörung genau zu wissen, was andere Religionen wollen (sic!) und für sie zu sprechen. Frei nach dem Motto, lieber Moslem, ich weiss, was du denkst und was gut für dich ist und kümmere mich darum.
Für mich ist das eine ganz besonders perfide Art der Diskriminierung, so behandelt man auch ein kleines Kind, das bockt, besonders nachdem sich die Islamverbände ausdrücklich von seiner Idee distanziert haben.
Im besten Fall wirkt hier die alte Regel, gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Ich fürchte aber, es ist nicht der beste Fall, den wir hier antreffen, sondern es kommt noch schlimmer.

2. Historischer und menschlicher Kontext

Der Kontext der Figur des heiligen Martins und der zutiefst menschenfreundlichen Symbolik des Teilens scheint Sagel vollkommen fremd zu sein und bedauerlicherweise entblödet er sich nicht, aus ideologischer Verblendung dies auch noch laut und deutlich in die Welt zu posaunen. Man könnte zusammenfassen, ungebildet und dumm dazu.
Ich bin der Meinung, es geht ihm grundsätzlich um einen Angriff auf das Christentum, denn wenn er unbedingt vermeiden wollte, dass sich islamische Mitbürger diskriminiert oder beleidigt fühlen könnten, dann wäre es z.B. ein Schritt, die Verhüllung zumindest seiner Parteigenossinnen zu fordern. Das wäre natürlich vollkommen realitätsfern, aber ein echtes Zeichen. Soweit ich weiss, hat er aber nichts dergleichen geäußert.

3. Ein Bärendienst für die Integration

Alle Menschen sind gleich. Wenn das die oberste Maxime ist, dann hat Sagel das gründlich missverstanden oder bewusst hintertrieben. Integration bedeutet zusammenführen z.B. unter einem gemeinsamen Dach. Unterschiede abbauen, statt zu betonen. Integrieren als Gegenteil von trennen. Sagel hat getrennt, hat eine Linie zwischen Menschen gezogen und gewertet, hat ein echtes oder vermeintliches Anderssein betont. Er hat sinngemäß gesagt: Moslems sind anders, daher dürft Ihr Christen keinen Martinszug mehr durchführen.
Er hat also alles getan, um Integration und friedliches Zusammenleben zu erschweren!

Warum?

Ich frage mich, weiss er das nicht oder möchte er bewusst Parallelgesellschaften mit allen damit verbundenen Problemem “züchten”? Hat er ein Problem mit Christen, mit Deutschland oder den Deutschen? Sieht er in unseliger linker Nachkriegstradition Deutsche ausschließlich und in jeder Hinsicht als Täter? In der DDR war Staatsdoktrin, dass Deutsche gegenüber dem großen Bruder aus der Sowjetunion auf ewig demütig und dankbar für die “Befreiung” durch die Rote Armee sein mussten. Im Westen war es ähnlich, nur mit anderen Protagonisten und deutlich subtiler. Die Ergebnisse aus beiden Systemen ähneln sich allerdings in erschreckender Weise. Eine deutsche Nation ist da, aber ein deutsches Nationalbewusstsein gibt es nur ansatzweise. Was in jedem andere Land Europas selbstverständlich ist, wird hier im eigenen Land auf das Erbitterste bekämpft.
Gegenüber allen anderen zurück zu stehen gehört konsequenterweise dazu.

Leider, denn es widerspricht vehement dem Satz, alle Menschen sind gleich und haben die gleichen Rechte.

Ich bin froh, dass Herr Sagel in diesem Land keine Verantwortung tragen darf – und auch nicht in diese Situation kommt, denn zum Glück tickt der größte Teil der Wähler anders als er und seine Partei!

 tl;dr

Rüdiger Sagel hat mit seiner Idee die Integration behindert und sich in typisch deutschen vorauseilendem Gehorsam zum Vorsprecher für andere Menschen gemacht, ohne sie vorher nach ihrer Meinung zu fragen.