Über die Dummheit mancher deutscher Online-Foristen

07/21/2014
Es ist anscheinend mittlerweile Mode, diejenigen, die beim Thema Ukraine nicht in den westlichen Beschuldigungschor gegen Russland im allgemeinen und Putin im besonderen einstimmen, sondern sich eine eigene Meinung leisten, als “Putin-Trolle” oder von Russen bezahlte Propagandaschreiber zu bezeichnen.

Ich kann darauf nur antworten, wer so wenig reflektiert und aus Dummheit oder Kalkül so einen Blödsinn plappert, ist ein schlichter Kriegshetzer. Und wenn es dann tatsächlich zum anscheinend von mehreren durchaus westlichen Stellen herbeiprovozierten kriegerischen Konflikt mit internationaler Beteiligung in der Ukraine kommt, kann er nach dem Vorbild Schönhubers (“ich war dabei”) mit stolzgeschwelter Brust sagen, “ich habe darauf hingearbeitet!”. Ein “das habe ich nicht so gewollt” zählt dann nicht mehr.

In den Medien wird nach wie vor gegen Russland gehetzt, dass sich die Balken biegen. Fakten werden ignoriert oder verbogen. Verursacher von Ereignissen stehen bereits fest und werden veröffentlicht, da ist dieses “Ereignis” noch nicht abgeschlossen. Westliche Interessen werden verschwiegen, westlicher Einfluss ignoriert. Das offensichtliche Ziel der USA, Europa von Russland zu entfremden wird munter unterstützt. Vielleicht aus Dummheit, aus Ignoranz oder weil man mit der Muttermilch aufgesogen hat, das die USA immer die Guten und die Russen immer die Bösen sind. Den Behauptungen (Beweise habe ich noch keine gesehen) der oft zitierten US-Geheimdienstquellen wird geglaubt, als wäre Colin Powells Lügenshow 2003 vor der UNO nie geschehen. Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, wie kann man den USA nach dieser Geschichte damals, die den Angriffskrieg gegen den Irak vorbereitete, noch einfach so glauben?

Dann das Argument, wir müssen unsere “freie” und “offene” Gesellschaft gegen den russischen Barbaren verteidigen. Eine “Freiheit”, die längst einer paranoiden Totalüberwachung durch einen angeblichen Verbündeten jenseits des Ozeans zum Opfer gefallen ist. Unsere Werte enden, wenn die US-domnierten Finanzmärkte betroffen sind, wenn es dem Dollar an den Kragen geht oder ganz besonders aktuell, wenn es um die Besetzung einiger wichtiger Posten in der EU geht. Da ist der Begriff “Demokratie” arg überstrapaziert. Selbst Putin ist demokratischer gewählt als Herr Juncker.

All das zählt nicht, wenn ich mir so manchen Online-Kommentar ansehe. Da zeigt sich, die Bildungsmisere in diesem Land ist anscheinend umfassend und gerade in den wichtigen Fächern wie Geschichte und Politische Bildung dramatisch.

Ich möchte nicht,  dass die Generation, meine Generation, die in den 70ern zur Schule ging und sozialisiert wurde, die letzte ist, die noch tatsächliche Freiheit erleben durfte. Und das in einem geteilten Land, mitten an der Frontlinie des Kalten Kriegs.