Wehren wir uns!

06/09/2014
Spätestens seit der Eskalation der Ukraine-Krise steht fest, dass die deutsche Öffenlichkeit von hiesiger Presse und den Rundfunkanstalten getäuscht und belogen wird. Als “Information” verpackte plumpe Propaganda geht zur Prime Time über die Sender.

Headlines oder Bildüberschriften im TV enthalten keine Fakten mehr, sondern bestehen aus Wertungen, um der mittlerweile glücklicherweise längst nicht mehr so geneigten Leserschaft sofort die Richtung vorzugeben, in die sie zu denken hat. Die Fakten selber stehen, wenn überhaupt, weit unten im Text. So weit unten, dass vorher genügend Zeilen mit von den Autoren gewünschten Wertungen gefüllt werden können.
Die Hysterie, die im Westen geschürt wird, jetzt auch noch eine “Angst” vor angeblichen russischen Angriffsplänen auf die baltischen Staaten verbunden mit massiven Truppenverstärkungen und Erhöhung der Rüstungsausgaben, die Kriegshetze, die gerade durch den noch amtierenden NATO-Generalsekretär Rasmussen (der für mich immer mehr zum heissen Kandidaten für das Tribunal in Den Haag wird) betrieben wird, die Stationierung von US-Soldaten bei den russischen Nachbarn, all das wird kritiklos befürwortet ohne zu hinterfragen, ob genau das zu einer gezielten Provokation dienen soll. Die wirtschafltichen Verquickungen von US Unternehmen mit ukrainischen Energieversorgern kommen nur unter “kleine Meldungen”…
Vermeintlich erstaunlicherweise berichten die Medien, als wären sie gleichgeschaltet. Wenn man allerdings einen Blick auf den hier verlinkten Artikel wirft oder sich diesen Ausschnitt aus der Anstalt ansieht, kann man das vermeintlich streichen und erkennen, diejenigen, die uns heute als Journalisten präsentiert werden, pflegen dieselbe Denkweise, kultivieren dasselbe schwarz/weiss Denken und sind auf dieselben Ziele – USA gut, Russland böse – eingeschworen. Man muss diese Presse nicht gleichschalten, sie macht es selber!
Etwas weiter ausholend dazu ein weiterer Artikel von Albrecht Müller.

Die getroffenen Hunde bellen zurück

Die Aufdeckung und Veröffentlichung ihrer Verbindung zu den politischen Machtzirkeln und Think Tanks wollte die Elite des deutschen Journalismus nicht einfach hinnehmen, sondern setzte zum Gegenstoß an: ZEIT und Süddeutsche produzierten eine Unterlassungserklärung gegen die Anstalt. Allein, der Geist ist aus der Flasche und die Realität zeigt den deutschen angeblichen Qualitätsjournalismus als Kaiser ohne Kleider. Eine Gruppe berauscht von ihrer vermeintlichen Macht und Beeinflussungsfähigkeit, die sich für den Nabel der medialen Welt hält und jetzt mit völligem Unverständnis erkennen muss, dass die zuvor brav folgenden Schäfchen kritisch werden, die Berichterstattung hinterfragen und sich alternative Quellen zur Information suchen.

Gegenbewegung, das Meinungsmonopol zerbricht

Ich erlebe selbst Menschen, alt wie jung, die lange den hiesigen Medien von BILD bis ZEIT und vor allem dem öffentlich-rechtlichen TV geglaubt haben, aber jetzt kritischer werden, bei denen die einseitige Schuldzuweisung an Putin (das Feindbild par excellence) nicht mehr zieht. Im Fernsehen schalte ich mittlerweile ab, wenn ich die Herren Kleber (ZDF) oder Roth (ARD) sehe. Sie sind für mich Prototypen und Gesichter eines vollkommen einseitigen Propagandafeldzugs im Sinne einer US- und NATO basierten Konfrontationspolitk gegen Russland und damit gegen Europa.
Ein Blick in die Kommentare zu Artikeln, bspw. bei Spiegel Online, offenbart erschreckend, wie weit sich Redaktion und Leser auseinander gelebt haben. Das vorgebetete Mantra der Alternativlosigkeit des Euro, zur Rolle Putins als Feind im Ukrainekonflikt und diverser anderer volkserzieherischer Themen, wird massivst angegriffen durch die Leserschaft. Nur, die Autoren ficht es entweder nicht an, jedesmal auf heftigsten Widerstand zu treffen oder die Redaktionslinie hat einen typisch deutschen Halten-um-jeden-Preis Befehl ausgegeben. Im Ergebnis werden die Leser weniger und die Reputation der Publikationen ist perdu. Ich persönlich sehe nicht, wie die aktuelle Journalistengeneration jemals wieder ihre verlorene Glaubwürdigkeit zurück erhalten kann. Verbrannt in alle Ewigkeit, nur mit neuen Köpfen ist ein notwendiger Neuanfang möglich.

Russland und die Ukraine

Was jetzt Russland und sein Verhältnis zur Ukraine betrifft, fehlen mehrere Betrachtungen völlig: Russland hat eine andere Kultur als der Westen, es wird aber getan, als müssen unsere Maßstäbe gelten – die wir z.B. bei Saudi-Arabien nicht anlegen, u.a. weil wir dem Islam mit vollkommen anderer Toleranz begegnen als christlichen Kulturen.
Russland ist über Jahrhunderte aus Kriegen entstanden, in denen die Ukraine eine Schlüsselrolle spielte (“Neu Russland”), in Russland ist die orthodoxe Kirche ein wesentlicher Faktor im Staat, Moskau galt einst als das dritte Rom (ich würde gerne den ein oder anderen Schreiber in der Presse fragen, ob er denn weiss, welche die beiden anderen sind) und vor allem Russland und die russische Kultur sind viel älter als die UdSSR. All dies kommt in der Berichterstattung nicht vor. Ich habe sogar den Eindruck, für viele Journalisten und Kommentatoren beginnt die europäische Geschichte erst 1945 und die russische mit der UdSSR.

Und was die Ukraine betrifft, sie ist längst nicht der homogene Staat, der lediglich im Osten von ein paar “Terroristen” attackiert wird, die es auszurotten gilt. Osten und Süden der Ukraine sind originäre Teile des russischen Selbstverständnisses, sozusagen heiliger Boden. Das Geschrei, was im Westen wegen der angeblichen russischen “Annexion” der Krim gemacht wurde, ist scheinheilig und verlogen, als Chrustschow dieselbe Krim vor 60 Jahren seinem Heimatland Ukraine “schenkte”, hat auch niemand im Westen gegen den offensichtlichen Bruch des Völkerrechts prostestiert. Beide beteiligten Länder, Russland und die Ukraine waren formal unabhängige, souveräne Staaten, die Ukraine hatte sogar einen eigenen Sitz in der UNO.
Hinzu kommt, das ukrainische Land war früher geteilt zwischen Russland und, man kann es sich heute fast nicht mehr vorstellen, Österreich-Ungarn. Der Osten orthodox, der Westen katholisch. Und das ist auch heute noch ähnlich.
Den heutigen westlichen Nachbarn Polen gab es vorher über Jahrhunderte nicht, es wurde erst wieder nach dem ersten Weltkrieg, mit Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker (das heute im Falle von Krim und Ost-Ukraine aus westlicher Sicht interessanterweise keine Rolle spielt) von den damals wie heute westlichen Siegern zu Gründung freigegeben.
Und – hier schlage ich wieder den Bogen nach oben – es gibt eine Reihe von “normalen” Menschen im Land, die wissen das. Anscheinend gibt es aber auch etliche Journalisten, die wissen das nicht!
Ob das an der Bildungspoltik der letzten Jahrzehnte liegt, die im gesellschaftlichen Bereich anscheinend mehr Wert auf Vermittlung vorgefertigter Bewertungen legte, statt eigenes Denk- und Beurteilungsvermögens der Kinder zu fördern (wie es in den 70ern, als ich sozialisiert wurde noch der Fall war), kann ich nur spekulieren. Scheint mir aber schlüssig.

Alternative Informationsquellen

Daher ist es extrem wichtig, neben den auf den offiziellen Kanälen unterdrückten Fakten, das Wissen um Kontexte zu publizieren, die Vergangenheit zu benutzen, um die Gegenwart zu verstehen und das, was uns vorgesetzt wird zu hinterfragen. Ich bin nach wie vor der Meinung, der Ukraine-Konflikt ist ein Stück Machpolitik des 19. Jahrhunderts und kein Fall für eine internationale “Regelung” – und schon gar nicht für eine die USA umwinselnde macht- und konzeptlose EU.
Zum Glück stehen heute alternative Informationskanäle zur Verfügung. Soziale Medien, unzählige Blogs, ausländische Online-Medien (hier auch wieder positiv aufgefallen BBC-World ) liefern direkt aktuelle Informationen, teils in Echtzeit. Sie liefern zudem Links auf weitere Quellen.
Vieles von dem, was ich erfahre, kommt z.B. über Twitter (wer mir folgen möchte – @mgk61) oder – wenn auch in geringerem Maße – per Facebook. Natürlich ist gerade Twitter auch voll mit Halbwahrheiten, kruden Theorien halbgarer Extremisten und nicht zuletzt mit dem Blödsinn einer sich als Elite gebärdenden Gemeinde von “Aktivisten”. So konnte ich kürzlich mit einem Journalisten diskutieren, der ernsthaft davon ausging, wir hätten bei der Europawahl tatsächlich auch den Kommissionspräsidenten direkt gewählt. Der entsprechende Dialog, in dem dann auch Putin als Bösewicht vorkam, entspann sich aus einem Tweet von Herrn Schirrmacher von der FAZ, der mir im übrigen noch eine Antwort schuldig ist.
Durch diese alternativen Mitmachmedien für jedermann entsteht trotz aller Verwerfungen eine wahrhaft demokratische Informationskultur, in der es keine Monopole mehr gibt und niemand mehr eine Meinung vorgeben kann, ohne dass er auf Widerspruch trifft. Die Macht der sozialen Netzwerke zeigt nicht zuletzt die Entwicklung in autoritären Systemen wie  z.B. in der Türkei, in der ein autokratischer Neo-Sultan Twitter und YouTube verboten hat.

Wir brauchen diese Alternativen, um der Propaganda der Manipulatoren in den Medien etwas entgegenzusetzen. Die gute Nachricht dabei ist, wir haben diese Alternativen! Und das funktioniert immer besser.
Die schlechte Nachricht betrifft die klassischen Medien: sie werden entmystifiziert. Sie werden ersetzbar, sie verlieren ihre selbstverstandene Gottgleichheit. Und weil sie es in ihrer Arroganz nicht verstehen, werden sie verschwinden! Und das wiederum ist unter den genannten Bedingungen eine weitere gute Nachricht.
Für uns.

Weiterführende Links

Der Massenmord von Odessa und die deutschen Medien
Organsierte Gegenöffentlichkeit zur Bericherstattung der Medien
Brillentäger: Deutsches Elend (mit mehreren Links)